← Zurück zum Blog

Myrtos Beach: Die weiße Kiesbucht Kefalonias im Porträt

An der Nordwestküste Kefalonias, der größten der griechischen Ionischen Inseln, schlängelt sich eine schmale Straße in engen Serpentinen zu einer Bucht hinab, die von oben aus wie von innen zu leuchten scheint. Kefalonia selbst ist eine gebirgige Insel, geprägt vom Gipfel des Ainos und dem ihn umgebenden Nationalpark, doch es ist diese kleine Bucht an der Küste, die zum bekanntesten Bild der Insel geworden ist. Myrtos Beach liegt am Fuß steiler Kalksteinklippen, sein Ufer besteht fast ausschließlich aus glatten, weißen Kieseln, die dem darüberliegenden Wasser eine Intensität von Türkis und Kobaltblau verleihen, wie man sie sonst selten in Griechenland findet. Die meisten Besucher sehen die Bucht zunächst von einem Aussichtspunkt an der Straße, einem der meistfotografierten Orte der Ionischen Inseln, bevor sie überhaupt den Strand betreten. Myrtos ist kein Geheimtipp, sondern eines der bekanntesten Wahrzeichen Kefalonias – und das aus gutem Grund.

Eine Bucht aus Kalkstein

Kefalonia liegt auf porösem Kalksteinuntergrund, und nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in Myrtos. Die Bucht wird von steilen, hellen Klippen eingerahmt, die fast senkrecht ins Meer abfallen – das Ergebnis jahrhundertelanger Erosion an diesem exponierten Küstenabschnitt. Die Brandung hat das lokale Gestein zu runden weißen und grauen Kieseln geschliffen, statt zu Sand, und genau dieses Kiesbett, das Sonnenlicht von unten reflektiert, verleiht dem Wasser seine charakteristische Leuchtkraft. Derselbe poröse Kalkstein ist andernorts auf der Insel dafür bekannt, Meerwasser bei Argostoli in unterirdische Kanäle zu schlucken, bevor es an anderer Stelle der Insel wieder zutage tritt – ein Phänomen, das zeigt, wie durchlässig der Kalkstein Kefalonias tatsächlich ist. Die Klippen erklären auch, warum der Strand von Myrtos kaum natürlichen Schutz bietet: Sie steigen auf beiden Seiten steil auf, rahmen die Bucht, statt sie abzumildern – ein Grund, warum der Blick von oben so eindrucksvoll ist.

Der Weg zum Strand

Die meisten Besucher erreichen Kefalonia entweder per Fähre von Häfen auf dem griechischen Festland wie Patras und Killini oder per Flugzeug über den Flughafen Kefalonia bei Argostoli, bevor sie über Land weiter zur Nordwestküste der Insel reisen. Myrtos liegt an der Küstenstraße, die Argostoli, die Inselhauptstadt, mit den Dörfern Assos und Fiskardo im Norden verbindet, in der Nähe des kleinen Ortes Divarata. Der Abstieg zum Wasser ist kein gemütlicher Spaziergang: Eine asphaltierte Zufahrt schlängelt sich in scharfen Kehren die Klippe hinab zu einem Parkplatz oberhalb des Strandes, gefolgt von einem kürzeren Pfad oder Stufen zum Ufer selbst. Über weite Teile des Jahres gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel direkt zum Strand, weshalb die meisten Besucher mit Mietwagen, Taxi oder organisiertem Ausflug anreisen. Ab- und Aufstieg gehören zum Erlebnis dazu, und der Aussichtspunkt auf halber Strecke lohnt einen Stopp – auch für alle, die gar nicht baden möchten.

Baden und Sicherheit

Der Meeresboden fällt bei Myrtos rasch ab, und schon kurz hinter den Kieseln wird das Wasser deutlich tiefer. Das sorgt an ruhigen Tagen für spektakuläre Badebedingungen, bedeutet aber auch, dass der Strand der Dünung ausgesetzt ist und bei auflandigem Westwind eine spürbare Unterströmung entstehen kann. Schwächere Schwimmer und Familien mit kleinen Kindern sollten hier vorsichtiger sein als an einer typischen geschützten griechischen Bucht, die Bedingungen vor dem Baden prüfen und bei rauer See ganz auf einen Sprung ins Wasser verzichten. Warnflaggen oder saisonale Hinweisschilder, wo vorhanden, sollten immer ernst genommen werden, da sich die Bedingungen hier schneller ändern können als an geschützteren Buchten. Natürlicher Schatten ist am Ufer kaum vorhanden, weshalb Sonnenschutz hier wichtiger ist als an vielen anderen Stränden Kefalonias.

Ausstattung und Jahresrhythmus

In der Hochsaison, etwa von Juni bis September, ist ein Teil des Strandes mit Liegen, Sonnenschirmen und einem saisonalen Kiosk oder Snackstand ausgestattet, während der größte Teil des Ufers offen und unerschlossen bleibt. Im Sommer zieht Myrtos große Besucherzahlen an, und Parkplatz wie Zufahrt können im Juli und August zur Mittagszeit überfüllt wirken, passend zu den heißen, trockenen mediterranen Sommern, die für die Ionischen Inseln typisch sind. Wer früh morgens oder am späteren Nachmittag kommt oder die Bucht in den ruhigeren Monaten des späten Frühlings und frühen Herbstes besucht, erlebt in der Regel eine leerere Bucht und weicheres Licht für Fotos, ohne dass die Infrastruktur ganz verschwindet.

Ein Strand mit literarischer Verbindung

Kefalonias internationale Bekanntheit verdankt die Insel zu einem großen Teil dem Roman Corellis Mandoline von Louis de Bernières, der während des Zweiten Weltkriegs auf der Insel spielt, sowie der Verfilmung von 2001 mit Nicolas Cage und Penélope Cruz in den Hauptrollen. Myrtos wurde mit seiner dramatischen Kulisse in den Jahren nach Buch und Film zu einem der visuellen Sinnbilder Kefalonias und taucht bis heute regelmäßig in Listen und Berichten über die schönsten Strände Griechenlands auf. Dieser Ruf hat den Strand für viele Besucher der Ionischen Inseln zu einem festen Programmpunkt gemacht, neben den Hafendörfern weiter entlang derselben Küste.

Dörfer entlang derselben Küste

Die Straße, die zu Myrtos führt, setzt sich nach Norden fort in Richtung Assos, ein kleines Dorf auf einer Halbinsel unterhalb einer venezianischen Festung, und Fiskardo, eine der wenigen Siedlungen Kefalonias, die die Erdbeben von 1953 überstanden hat, welche große Teile der Insel verwüsteten, und die bis heute ihre pastellfarbene venezianische Architektur bewahrt. Fiskardo gilt heute zudem als beliebter Anlaufhafen für Segelyachten im Ionischen Meer, mit einer von Cafés und Tavernen gesäumten Hafenpromenade. Beide Orte lassen sich gut mit einem Besuch in Myrtos verbinden und bieten ein ruhigeres Tempo nach dem dramatischen Auf und Ab der Klippen und Kiesel. Zusammen bildet dieser Küstenabschnitt eine der schönsten Fahrstrecken Kefalonias, bei der das Meer kaum je aus dem Blick gerät.

Kefalonias andere Küstenabschnitte

Im Vergleich zum Rest der Insel ist Myrtos nur eine Facette einer viel breiteren Küstenlandschaft. Antisamos Beach, nahe der Hafenstadt Sami an der Ostküste, ist ebenfalls eine Kies- und Geröllbucht, umgeben von pinienbewachsenen Hügeln, und diente ebenfalls als Drehort für den Film, der Kefalonia international bekannt machte. Xi Beach an der Südwestküste könnte kaum unterschiedlicher aussehen: Hier ist der Sand durch lokalen Ton rötlich gefärbt statt weiß wie der Kalkstein von Myrtos. Weiter südlich bietet Skala einen langen, sanfteren Sandstrand mit einer belebteren, stärker erschlossenen Uferpromenade. Im Vergleich zu diesen anderen Stränden sticht Myrtos gerade durch die Dramatik seiner Lage hervor: die Steilheit der Klippen, der Kontrast von Weiß und Blau und der Aufwand, der nötig ist, um überhaupt ans Wasser zu gelangen. Wer mehrere Tage auf der Insel verbringt, tut gut daran, Myrtos nicht isoliert zu betrachten, sondern als einen von mehreren Referenzpunkten, an denen sich die geologische Vielfalt Kefalonias ablesen lässt.

Auf der Karte

Myrtos Beach ist nur einer der markanten Punkte entlang der Nordwestküste Kefalonias, und seine Lage ergibt erst im Zusammenhang mit Assos, Fiskardo und der kurvenreichen Verbindungsstraße wirklich Sinn. Wer eine Reise entlang der Westküste plant, profitiert davon, die Entfernungen zwischen Myrtos, den Nachbardörfern und der Inselhauptstadt Argostoli vorab realistisch einzuschätzen, da die kurvenreiche Straße mehr Zeit beansprucht, als die Kilometerangaben allein vermuten lassen. Um den Weg hinunter zur Bucht nachzuvollziehen, den Strand mit anderen Stränden der Insel zu vergleichen oder eine größere Route entlang der ionischen Küste zu planen, öffnen Sie die interaktive Karte und erkunden Sie die Umgebung im Zusammenhang.